Grundrisse

Offener vs geschlossener Grundriss: die echten Kosten

Bevor Sie eine Wand herausreißen: was ein offener Grundriss wirklich mit Lärmpegel, Heizkosten, Kochgeruch und Wiederverkaufswert macht, mit echten Zahlen statt Meinungen.

Decoreto · 30. August 2026 · 8 Min. Lesezeit · jedes Foto hier wurde für diesen Beitrag gerendert

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Wird es wirklich lauter, wenn die Wand fällt?

Ja, und zwar messbar. Eine gemauerte Innenwand aus 11,5 cm Ziegel, beidseitig verputzt, erreicht ein bewertetes Schalldämm-Maß von rund 40 dB; eine leichte Ständerwand mit doppelter Beplankung und Dämmung liegt ähnlich, eine einfach beplankte deutlich darunter. In der Praxis nimmt so eine Wand den mittleren Frequenzen etwa 30 dB. Reißen Sie sie heraus, ist diese Dämpfung weg, denn Abstand und Luft allein schlucken nur 5 bis 10 dB.

Was das im Alltag bedeutet: Eine Spülmaschine läuft mit 50 bis 55 dB, eine Dunstabzugshaube auf höchster Stufe mit 60 bis 65 dB, ein Standmixer springt kurzzeitig auf 80 bis 90 dB. Hinter geschlossener Küchentür bleibt Ihr Wohnzimmer während der Essensvorbereitung bei 35 bis 40 dB. Im offenen Grundriss liegt dasselbe Wohnzimmer bei 55 bis 65 dB, sobald jemand kocht, die Spülmaschine einräumt oder den Mixer anwirft.

Diese 20 bis 25 dB sind der Unterschied zwischen einem Hintergrundgeräusch und einem Raum, in dem Sie den Fernseher oder ein Telefonat nicht mehr verstehen, ohne lauter zu werden. Wenn jemand im Haushalt im Homeoffice arbeitet, Videokonferenzen hat oder ein Kleinkind tagsüber schläft, ist das die Zahl, auf die es ankommt, und nicht die Quadratmeterzahl.

Mediterran-moderne Küche mit Essplatz, Steininsel und verdeckter Schrankwand im Mittagslicht
Die Insel behauptet sich vor einer Wand, die alles andere verbirgt.

Kostet ein offener Grundriss mehr Heizung?

In der Regel ja, und das aus zwei getrennten Gründen. Erstens das Volumen: Zwei geschlossene Zimmer von je 3,6 × 3,6 m bei 2,50 m Raumhöhe fassen jeweils rund 32 m³ Luft. Legen Sie sie zu einem Raum von 7,2 × 3,6 m zusammen, hängen 65 m³ an einem einzigen Thermostat, meist noch mit mehr Außenwand- und Fensterfläche, weil offene Wohnbereiche fürs Licht gebaut werden.

Ein Thermostat, das den sonnigen Bereich nach Süden und die Essecke nach Norden gleichzeitig bedienen soll, produziert typischerweise 2 bis 3 °C Unterschied zwischen den beiden Enden des Raums: im Winter kühl am Fenster, im Sommer warm neben der Küche.

Zweitens hat die Kochwärme keinen Ausweg mehr. Ein Backofen bei 200 °C hebt die Temperatur im Raum ringsum innerhalb einer Stunde um mehrere Grad. In der geschlossenen Küche zieht die Haube den größten Teil ab, der Rest bleibt hinter der Tür. Im offenen Grundriss wandert diese Wärme genau in den Bereich, den Sie im Sommer kühl halten wollen, und im Winter heizen Sie den ganzen Wohnbereich mit, ob Sie wollen oder nicht.

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Eine Wand voller Bücher und eine Tür, die es nicht gibt.

Was passiert mit dem Kochgeruch, wenn die Wand weg ist?

Das ist die Beschwerde, die nach einem Wanddurchbruch am häufigsten kommt, und sie ist ein Luftmengenproblem, kein Hygieneproblem. Eine geschlossene Küche kommt mit einer Haube um 500 bis 700 m³/h aus, weil die Tür zurückhält, was die Haube nicht erwischt. Öffnen Sie die Küche zum Wohn- und Essbereich, brauchen Sie eher 1000 bis 1500 m³/h, um dieselbe Menge fettiger, rauchiger Luft abzuführen, bevor sie sich absetzt.

Und sie setzt sich ab, auf Vorhängen, Sofabezügen und Teppichen, nicht nur in der Küche. Fisch braten, Fleisch scharf angehen lassen oder mit viel Öl kochen hinterlässt einen Geruch, der ein bis zwei Tage in den Textilien des gesamten offenen Bereichs hängt. In der geschlossenen Küche machen Sie die Tür zu, lassen die Haube laufen, und das Wohnzimmer riecht am Abend überhaupt nicht nach Essen.

Wenn Sie oft kochen und Ihnen das wichtig ist, planen Sie eine Haube deutlich über dem Minimum für geschlossene Küchen, oder gleich eine Schiebetür, die Sie beim scharfen Anbraten schließen und sonst offen stehen lassen. Ein Umluftgerät mit Aktivkohlefilter, wie es in Mietwohnungen ohne Mauerdurchbruch üblich ist, nimmt zwar den Rauch, aber weder die Wärme noch die Feuchtigkeit.

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Eine Arbeitswand, ehrlich im flachen, hellen Licht.

Steigert eine entfernte Wand den Wiederverkaufswert?

Das hängt vom Objekt und vom lokalen Markt ab, nicht vom Trend. In einem Reihen- oder Einfamilienhaus der 1990er bis 2010er Jahre, dessen Tragwerk ohnehin auf große Räume ausgelegt ist, ist eine Wand zwischen kleiner Küche und Wohnbereich meist eine sichere Sache: Käufer in diesem Segment erwarten genau das.

In einer Altbauwohnung mit echtem Charakter dagegen, mit Stuckdecke, Flügeltüren und Fischgrätparkett, oder in einem sorgfältig geschnittenen Bau der 1950er Jahre mit eigenem Esszimmer, zahlen manche Käufer gerade für die getrennten Räume und die ursprüngliche Aufteilung einen Aufschlag. Dort die Wand herauszureißen, kann wirken, als hätten Sie genau das entfernt, was diese Käufer kaufen wollten.

Die ehrliche Regel lautet: Ein offener Grundriss bringt Wert, wo Käufer in Ihrer Lage und Preisklasse ihn ohnehin erwarten, und er kann Wert kosten, wo der geschlossene Grundriss das Verkaufsargument ist. Fragen Sie einen Makler vor Ort, was sich in Ihrem Baujahr und Ihrer Preisklasse gerade verkauft, bevor Sie davon ausgehen, dass sich der Umbau von selbst rechnet.

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Die Platte leuchtet, die Tür verschwindet.

Wann ist der geschlossene Grundriss die bessere Wahl?

Geschlossene Grundrisse gewinnen, wenn Sie akustische oder thermische Trennung dringender brauchen als freie Sichtachsen. Das gilt für Haushalte, in denen jemand tagsüber im Homeoffice telefoniert, für kleine Kinder, die Mittagsschlaf halten oder ein abgegrenztes Spielzimmer brauchen, für Mehrgenerationenhaushalte mit unterschiedlichen Tagesabläufen und für alle, die gern Gäste einladen, aber am Esstisch nicht auf ein Spülbecken voller Geschirr blicken möchten.

Und sie gewinnen in wirklich kleinen Wohnungen. Ein offener Grundriss lässt eine große Wohnung zusammenhängender wirken, doch unter etwa 90 m² nimmt er Ihnen häufig die einzige Stelle, an der das Sofa nicht schon von der Wohnungstür aus zu sehen war. Nutzbare Fläche entsteht dadurch keine, nur ein größerer Raum, der mehrere Aufgaben gleichzeitig schlecht erledigt.

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Ein Bett in der Wand, an der Kante beleuchtet.

Wie testen Sie das, bevor der Vorschlaghammer kommt?

Leben Sie eine Woche lang mit der offenen Variante, bevor Sie sie endgültig machen. Gibt es eine Tür, klemmen Sie sie auf; gibt es keine, kleben Sie den Verlauf der geplanten Öffnung mit Malerkrepp auf den Boden und machen Sie normal weiter, also kochen, telefonieren, ein Kind hinlegen, und achten Sie darauf, was Sie tatsächlich stört.

Bevor Sie einen Handwerksbetrieb anrufen, klären Sie, ob die Wand tragend ist. Im Massivbau erkennen Sie das meist an der Dicke: Ab 17,5 cm ist eine Innenwand fast immer tragend, tragende Wände stehen in allen Geschossen übereinander, und im Grundriss der Bauakte sind sie dick gezeichnet. Die Bauakte liegt beim Bauamt und Sie dürfen sie als Eigentümer einsehen. Raten sollten Sie hier auf keinen Fall.

Es hilft außerdem, beide Varianten zu zeichnen und maßstäblich zu sehen, statt sie sich vorzustellen. In Decoreto skizzieren Sie denselben Bereich einmal mit und einmal ohne Wand, sehen für beide die berechnete Grundfläche und stellen die Möbel hinein, die Sie tatsächlich besitzen, um zu prüfen, ob sie passen. Das sagt mehr als jedes Kopfkino.

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Der Spiegel verbirgt das Rack, die Nischen halten den Rest.

Was kostet es, eine Wand zu entfernen?

Eine nichttragende Wand, also Trockenbau oder eine dünne Mauer ohne Träger, liegt inklusive Abriss, Entsorgung und Verputzen der Anschlüsse bei etwa 500 bis 2.000 €, je nach Größe, Ausführung und der Frage, ob Elektro- oder Wasserleitungen darin verlaufen. Steckdosen oder Schalter auf beiden Seiten sind der übliche Hinweis darauf.

Eine tragende Wand kostet mehr, weil Sie ihre Aufgabe ersetzen und nicht nur die Wand beseitigen. Rechnen Sie mit 3.000 bis 10.000 € und mehr für den Stahlträger samt Auflagern und Brandschutzverkleidung, dazu 500 bis 1.500 € für die statische Berechnung. In der Eigentumswohnung kommt die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft hinzu, in vielen Bundesländern außerdem eine Bauanzeige oder eine Baugenehmigung.

Holen Sie die Statik ein, bevor Sie Angebote für den Träger einholen. Die Kosten schwanken enorm mit der Spannweite und der Last darüber, und kein Betrieb kann Ihnen einen belastbaren Preis nennen, solange diese Zahl nicht auf dem Tisch liegt.

Wie entscheiden Sie das für Ihre eigene Wohnung?

Beantworten Sie diese Fragen der Reihe nach, und zwar für die konkreten Räume, um die es geht. Welche Lärmquellen liegen auf der anderen Seite dieser Wand, und wie nah ist der Platz, an dem Sie sitzen oder schlafen? Wie hoch ist der Raum, wie groß sind die Fensterflächen auf beiden Seiten, läuft also ein Ende heiß oder kalt? Braucht jemand im Haushalt während der Arbeitszeit Ruhe? Ist die Wand tragend, und passt ein Träger in Ihr Budget?

Danach zeichnen Sie beide Varianten, bevor Sie den ersten Stein anfassen: den geschlossenen Grundriss und den offenen, jeweils mit der Fläche, die dabei herauskommt, und mit Ihren echten Möbeln darin, damit Sie sehen, in welche Variante Ihr Leben passt. In Decoreto dauert das fünf Minuten und ist ein deutlich ehrlicherer Test als eine Pinnwand voller Inspirationsbilder.

Häufige Fragen

Ist ein offener Grundriss teurer im Heizen und Kühlen?

In der Regel ja. Zusammengelegte Räume vergrößern das Luftvolumen, das ein Thermostat regeln muss, und bringen meist mehr Fensterfläche mit, was 2 bis 3 °C Unterschied zwischen den Enden des Raums erzeugt. Die Kochwärme verteilt sich außerdem im ganzen Wohnbereich, statt in der Küche zu bleiben.

Woran erkenne ich eine tragende Wand, bevor ich einen Handwerker rufe?

Im Massivbau meist an der Dicke: Innenwände ab 17,5 cm sind fast immer tragend. Tragende Wände stehen außerdem in allen Geschossen übereinander und sind im Grundriss der Bauakte dick eingezeichnet. Das sind starke Hinweise, aber keine Bestätigung: Lassen Sie es von einem Statiker prüfen, bevor Sie Träger und Budget planen.

Bekomme ich Offenheit, ohne Schall und Gerüche zu verlieren?

Ja. Ein großer Wanddurchbruch statt der kompletten Entfernung, eine Schiebetür oder eine Schiebetaschentür, die Sie beim Kochen schließen, oder eine halbhohe Wand mit Theke lassen Licht und Blickachsen durch und behalten einen Teil der Trennung.

Was kostet es, die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer zu entfernen?

Nichttragend: etwa 500 bis 2.000 €. Tragend, inklusive Stahlträger, Statik und Genehmigung: etwa 3.000 bis 10.000 € oder mehr, im mehrgeschossigen Haus eher am oberen Ende, weil die Wand ein Geschoss über sich trägt.

Brauche ich eine stärkere Dunstabzugshaube, wenn ich die Küche öffne?

Ja. Eine geschlossene Küche kommt mit 500 bis 700 m³/h zurecht, weil die Tür zurückhält, was die Haube verfehlt. Eine offene Küche braucht eher 1000 bis 1500 m³/h, damit sich Rauch und Fett nicht in den Textilien des Wohn- und Essbereichs festsetzen.

Steigert ein Wanddurchbruch immer den Wert der Wohnung?

Nein. Er hilft dort, wo Käufer offene Grundrisse ohnehin erwarten. Im Altbau mit Charakter, mit Stuck, Flügeltüren und separatem Esszimmer, zahlen manche Käufer dagegen einen Aufschlag genau für die Räume, wie sie sind.

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